"Dorfmoderation - Ehrenamt mit Herausforderungen!?"

Als Dorfmoderatorin in Hahausen (Landkreis Goslar) illustriert Claudia Mehl in diesem Beitrag, welche Aufgaben, Erfolge und auch Hürden das Ehrenamt „Dorfmoderation“ mit sich bringt. 

Mit Skepsis betrachtete der Hahäuser Gemeinderat bei seiner öffentlichen Ratssitzung Ende 2016 die Vorstellung des Modellvorhaben „Dorf ist nicht gleich Dorf!“ durch Tim Schwarzenberger vom Landkreis Goslar. Nach regionsspezifischen Bestimmungsfaktoren wird Hahausen, ein 760-Seelendorf, als eins von 16 Modelldörfern für die Pilotstudie ausgewählt. Letztendlich entscheidend war die tatsächliche Bereitschaft zur Teilnahme seitens des Gemeinderates.
Demografische Entwicklungs- und Veränderungsprozesse in ländlichen Räumen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse untermauern die Dringlichkeit, nach Möglichkeiten zu suchen, wie Gerechtigkeit in Bezug auf „Daseinsvorsorge und -infrastruktur“ bewahrt werden kann. Wie sehen neue, gemeinschaftliche Handlungsansätze der betroffenen Menschen aus? Welcher Weg ist einzuschlagen, um Bewohner*innen für das Projekt zu begeistern, sie mit ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten einzubeziehen und Dorfmoderation zu akzeptieren?

Die erste Hürde ist, Bürger zu finden, die sich qualifizieren lassen. In Hahausen hat sich das Team Claudia Mehl als „Alteingesessene“ und Petra Kremeik als „Neuzugezogene“ gefunden. „Damit erfüllen wir ein wichtiges Kriterium“, blickt Claudia Mehl zu den Anfängen zurück. Unterschiedliche Blickwinkel auf das Dorf sowie bei Reflexionsrunden ist hilfreich.

Seit Jahrzehnten herrscht in Hahausen ein reges und geselliges Vereinsleben. Neun Vereine / Verbände / Institutionen bauen auf ehrenamtliches Engagement und beteiligen sich an Dorffesten. Bei den Jahreshauptversammlungen der letzten Jahre trüben Sorgen das Bild: fehlender Nachwuchs, erhöhtes Durchschnittsalter aktiver Mitglieder und mangelnde Bereitschaft für Vorstandsarbeit.
Spürbar sind die gesellschaftlichen und globalen Änderungen: kaum noch Familien mit drei Generationen unter einem Dach zur gegenseitigen Unterstützung; Wahrnehmung der Elternzeit von Mutter und Vater; beide Elternteile berufstätig. Der Spagat zwischen Beruf und Familie erfordert geänderte Betreuungszeiten bei Kindergärten, in Schulen sowie andere Arbeitsplatzmodelle.

Nach der Qualifizierung laden die Dorfmoderatorinnen 2018 zu verschiedenen Veranstaltungen ein: Fakelzug zum Osterfeuer mit der Feuerwehr, Bürgerversammlung, Beteiligung beim DRK-Sommerfest, geschichtlicher Dorfrundgang, Dorfspaziergang mit unterschiedlichen „Brillen“ (aus Perspektive eines Kindes, Seniors, in Bezug auf Barrierefreiheit …), Pflanzaktion von Frühblühern. In kleinen Schritten werden die Bürger für ihr Dorf und dessen Besonderheiten sensibilisiert. Ein weiteres Angebot ist der „Runde Tisch“ für alle. Er dient als Kommunikationsplattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Bedarfe und Ideen zu äußern. Zentrale Themen sind Mobilität, Nahversorgung und Treffpunkte.

Sind Sie ehrenamtlich tätig?
Was spricht für Sie für ein Ehrenamt, was dagegen?

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