Zum Thema "Pflege" in ländlichen Räumen

Dieser Beitrag befasst sich mit der Pflegesituation im ländlichen Raum und zeigt auf, dass diese nicht nur vom demografischen Wandel beeinflusst wird. Auch der Wandel familiärer Strukturen stellt die gleichwertigen Lebensverhältnisse im pflegerischen Bereich auf die Probe.

Die Bereitstellung von ambulanter und stationärer Pflege ist ein wesentlicher Teil der Daseinsvorsorge in einer Gesellschaft. Eine menschenwürdige und möglichst selbstbestimmte Versorgung der älteren und pflegebedürftigen Menschen ist dabei zentral. In Deutschland steigt die Zahl der älteren Menschen stetig an und damit wächst auch der Bedarf an Pflegedienstleistungen.

Der Großteil pflegebedürftiger Menschen möchte zu Hause gepflegt werden. Auch der Gesetzgeber bekräftigt diesen Vorrang der häuslichen Pflege. In Artikel 3 des SGB XI heißt es dazu: „Die Pflegeversicherung soll mit ihren Leistungen vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft der Angehörigen und Nachbarn unterstützen, damit die Pflegebedürftigen möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können.“

Besonders ländliche Regionen können hierbei aber an ihre Grenzen stoßen, denn der demografische Wandel stellt sie vor verschiedene Herausforderungen. Dazu zählen beispielsweise die Versorgungsstrukturen in der Pflege. Stark alternde und periphere ländliche Regionen können dabei im besonderen Maße von Problemen betroffen sein. Aufgrund ihrer räumlichen Zerstreuung müssen ambulante Pflegediente längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen, weshalb sie tendenziell auch weniger Zeit für ihre Kunden haben. Dies kann wiederum zu Lasten der Betreuungsqualität gehen.

Aber auch der Wandel von Familienstrukturen beeinflusst die Pflegesituation in ländlichen Räumen. Traditionell werden pflegebedürftige Menschen vor allem von Familienangehörigen gepflegt und dies zu einem großen Teil von ihren Töchtern. Nach wie vor ist die Familie in Deutschland die zentrale Pflegeinstitution. Die moderne Arbeitswelt, die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen sowie die Neigung vieler junger Menschen im urbanen Raum sesshaft zu werden, sorgen aber dafür, dass die Generationen heute oftmals räumlich weit voneinander entfernt wohnen. Zudem führen sinkende Geburtenraten dazu, im Alter nicht mehr selbstverständlich auf ein familiäres Netzwerk zurückgreifen zu können. In der Konsequenz leben ältere Menschen zunehmend allein. Sie sind auf Nachbarn, Freunde und ambulante Pflegedienste angewiesen oder müssen das eigene Zuhause verlassen und in ein Heim ziehen. Ein Schritt, der für die Betroffenen mit viel emotionalem und physischem Stress verbunden sein kann.

Ambulanten Pflegedienste sind ebenfalls von den sich wandelnden Familienstrukturen betroffen. Dies hängt mit dem Fachkräftemangel zusammen, der allerdings nicht nur die ländlichen Regionen betrifft, sondern ein gesamtdeutsches Problem bleibt. Auch wenn die Kinder pflegebedürftiger Menschen im nahen Umfeld wohnen, kann vermutet werden, dass sie aufgrund von Erwerbstätigkeit und oftmals zusätzlicher Kinderbetreuung in Zukunft immer weniger bereit sein werden, pflegerische Aufgaben zu übernehmen. Diese Lücke muss dann unter anderem von ambulanten Pflegediensten gefüllt werden, die den ohnehin schon bestehenden Fachkräftemangel beklagen.

Urbane Räume sind von diesen Herausforderungen ebenfalls betroffen, denn auch in Städten leben ältere Menschen zunehmend allein. Im Unterschied zum ländlichen Raum treffen sie meist aber auf eine bessere pflegerische und medizinische Infrastruktur. Zudem sind ländliche Räume im besonderen Maße von Alterungsprozessen betroffen. Den Herausforderungen in der Pflege muss daher auf neuen kreativen und individuellen Wegen begegnet werden. Dass dies möglich ist, zeigen bereits heute verschiedene alternative Pflegekonzepte. Neben Nachbarschaftshilfe und der Aktivierung des Ehrenamts zählen dazu beispielsweise neue Wohnformen, wie ambulant betreute Pflege-WGs, Mehrgenerationenhäuser oder Wohnen für Hilfe. Technische Möglichkeiten, wie der Einsatz von Assistenzsystemen zur Sturzerkennung oder Pflegeroboter, können ebenfalls unterstützend eingesetzt werden. Sie stehen allerdings noch in den Anfängen.

Ländliche Räume weisen somit viel Potenzial auf, um den älteren Gesellschaftsmitgliedern ein Altern in Würde und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Die Gewährleistung der Daseinsvorsorge, die auch im Bereich der Pflege eng mit Fragen gleichwertiger Lebensverhältnisse zusammenhängt, sollte aber nicht allein als Aufgabe von Familien und Freiwilligen vor Ort gesehen werden. Zumal freiwilliges und familiäres Engagement auch vom Willen der einzelnen Akteure abhängt und regional variieren kann, denn ländliche Räume erweisen sich als sehr heterogen. Politische Akteure können daher nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden, denn Pflegearrangements in ländlichen Räumen sind keine Selbstläufer. Bund, Länder und Kommunen müssen hier weiter aktiv sein und sowohl dem Fachkräftemangel effektiv begegnen als auch unterstützende Strukturen für gemeinnütziges Engagement schaffen. Dabei kann auch eine wissenschaftliche Begleitung hilfreich sein. Zukünftig wird sich dann zeigen, ob Pflegearrangements im ländlichen Raum aufrechterhalten werden können.

Welche Erfahrungen haben Sie im Bereich Pflege und medizinischer Versorgung im ländlichen Raum gemacht?

Welche Anforderungen haben Sie? 

Welche Leistungen und Unterstützungen werden gebraucht? 

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